LOSE COMBO: Faraday's Cage
Performance.Konzert.Installation


Termine: 1.-3. September, 6. und 7. September 2006
Uhrzeit: jeweils 20 Uhr
Ort: St. Elisabeth-Kirche Invalidenstr. 3, 10115 Berlin
Karten: Tel. 030 34624956


where CAGE meets FARADAY

Die LOSE COMBO setzt ganz auf das Phänomen Magnetismus: Für FARADAY`S CAGE entstehen in der St. Elisabeth-Kirche maßstabsgetreue Faraday`sche Kupfer-Käfige, in denen das KAMMERENSEMBLE NEUE MUSIK BERLIN inmitten eines 8-kanaligen Klangraums Kompositionen von Cage und Feldman spielt. Garantiert feldfrei. Aufführungen vom 1. bis 3. September sowie 6. und 7. September 2006, jeweils 20 Uhr in der St. Elisabethkirche in der Invalidenstraße 3 in Berlin-Mitte.

Für das Projekt baut die LOSE COMBO dreifach jenen Käfig aus Kupfergewebe nach, in dem Michael Faraday 1834 zufällig das Phänomen des feldfreien Raums entdeckte. Das KAMMERENSEMBLE NEUE MUSIK BERLIN (KNM) spielt in diesen abgeschirmten Freiräumen John Cages Zeitklammernkomposition Seven und Morton Feldmans Durations I, II und IV, zwei Performer präsentieren außerhalb der Kuben Textmaterial zum Magnetismus. Durch die Einbeziehung von John Cages Komposition Variations IV, die den Grundriss des Aufführungsorts zur strukturellen Performance-Matrix erklärt, wird die jüngst renovierte St. Elisabethkirche von Karl Friedrich Schinkel zu einem konstitutiven Moment des Projekts.

Seit mehr als 11 Jahren arbeitet die LOSE COMBO unter der künstlerischen Leitung von Jörg Laue multimediale Kunstprojekte. Die Arbeiten der LOSE COMBO sind dabei immer zugleich Performance, Konzert und Installation und setzen sich kritisch mit abwegigen Verbindungen von Kunst und Wissenschaft auseinander.

FARADAY’S CAGE ist eine Produktion der LOSE COMBO in Zusammenarbeit mit dem KAMMERENSEMBLE NEUE MUSIK BERLIN aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, unterstützt von der Initiative Neue Musik Berlin, der Ernst von Siemens Musikstiftung und TESLA. FARADAY’S CAGE entsteht in Zusammenarbeit mit dem KNM in der St. Elisabethkirche Berlin und im Festspielhaus Hellerau in Koproduktion mit dem Europäischen Zentrum der Künste Dresden.

Konzeption/Leitung
Jörg Laue

Künstlerische Mitarbeit
Esther Ernst

Klangregie
Hans-Friedrich Bormann

Performer
Nicolai Reher, Claudia Splitt

Musiker
Kammerensemble Neue Musik Berlin

Technische Leitung
Götz Dihlmann

Tontechnik
Mattef Kuhlmey

Management / PR
Anke Buckentin

 



Peer Gynt
Revue in 35 Folgen nach Henrik Ibsen


Künstlerische Gesamtleitung: Susanne Truckenbrodt
Regisseure/ Choreographen: Dirk Cieslak(Lubricat), Martin Clausen (Two Fish), Jo Fabian, Albrecht Hirche, Tilmann Köhler, Arthur Kuggeleyn, Hans-Werner Kroesinger, Annett Kruschke, Constanza Macras (Dorky Park), David Marton, René Pollesch, She She Pop, Theater o. N.

Schauspieler des Peer Gynt: Uwe Schmieder
Dramaturgie: Peggy Mädler / Kai Lenke
Bühne: Hans Hugo Ellerfeld
Musik: Daniel Dorsch
Licht: Henning Streck

Premiere: 22. Juni 2006
Weitere Vorstellungen: 23.-25. Juni 2006

Sophiensaele Berlin
Sophienstraße 18, 10178 Berlin
Tickets: 030 2835266

Realisiert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds



Das 1866/67 verfasste und 1876 uraufgeführte Drama in fünf Akten wurde einer Re-Lektüre unterzogen und als Revue neu konzipiert. Ibsens Stück, bereits in seiner originalen Form ein Stationendrama, wurde in einzelne Episoden zerlegt, die von verschiedenen Künstlern und Künstlergruppen in unterschiedlichsten Spielarten (Schauspiel, Gesang, Tanz, Film, Performance, Entertainment) inszeniert und wieder zu einem Gesamtkorpus zusammengesetzt werden. Die verschiedenen künstlerischen Handschriften dienen dazu, das Universum, das Peer mit seinen Träumen/ seinen Taten schafft, die verschiedenen „Häute der Zwiebel“ so universell, bildmächtig und hochgradig inkohärent wie möglich zu konstruieren und den Überschuss an Lebensenergie, den Ibsen seiner Traumdichtung einschrieb, prachtvoll zu entfalten.
Das Drama wird dabei aus dem volkstümlichen Kontext herausgelöst und modernen Diskursen ausgesetzt. Das Paradox der Gleichzeitigkeit von Selbstinszenierung und zwanghafter Selbstschau moderner Arbeits- und Lebenswelten ist der Figur des Titelhelden bereits eigen. Peer Gynts Suchbewegungen werden zum Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit aktuellen Fragestellungen in Bezug auf Egoismus in neoliberalen, pluralistischen und globalen Handlungsfeldern. Diesem Anspruch wird die Entscheidung für die Verflechtung unterschiedlichster Handschriften statt der Zentrierung auf eine Regie gerecht. Sie bietet ein Feld für unabhängige Interpretationsspielräume an. Die Forderung „Sei du“ des Knopfgießers als moderne Formulierung von Selbstverwirklichungsansprüchen trifft auf den Grundsatz „Sei dir selbst genug“ der Trollwelt - die egozentrische Form des einstigen individualistischen Aufbruchs. Losgelöst von zeitlichen und regionalen Kontextbestimmungen wird das Stück zur zeitnahen Projektionsfläche für Selbstverwirklichungs- und Individualitätsansprüche und Kollektivzwänge, gleichzeitig aber auch für Kollektivsehnsüchte und die Einsamkeiten und Unsicherheiten von Individuen. Ibsens frühkapitalistischer Selbstverwirklichungstraum wird mit den Phantasmen des Internetzeitalters konfrontiert und aufgeladen. Peer Gynt wird zur hybriden Spielfigur, die sich aus einem realem Körper (der Schauspieler Uwe Schmieder, der sich durch das gesamte Stück zieht) und den verschiedenen Regiehandschriften zusammensetzt. Jeder Regisseur verfolgt seinen ureigenen egoistischen Ansatz bei der Inszenierung einzelner Stationen des Stückes und muss und will doch letztendlich seine Arbeit in den Dienst des gesamten Abends stellen. Resultat: eine Revue des 21. Jahrhunderts, kollektiv geschrieben von wichtigen Protagonisten der Berliner Theaterszene.

"All das, wovon wir bis dato leben, sind ja doch nur die Brosamen von dem großen Revolutionstisch des vorigen Jahrhunderts und diese Kost ist nun lange genug wiedergekäut worden. Die Begriffe verlangen nach einem neuen Inhalt und einer neuen Erklärung. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind nicht mehr die selben Dinge wie zur Zeit der seligen Guillotine." Henrik Ibsen, 1864